Autorenleben

Wie man ein Exposé schreibt

Ein Exposé zu verfassen, erfordert viel Sorgfalt

Am Ende meiner Zusammenarbeit mit meinen Kunden steht immer die Frage, wie es nun weitergeht und meistens schließt sich daran die Arbeit an einem Exposé an. Manchmal werde ich auch nur kontaktiert, um ein Exposé zu schreiben, denn das gehört zu den ungeliebtesten Aufgaben eines Autors. Mit einem Exposé stellt er sich und sein Buch bei einem Verlag vor und gibt diesem Entscheidungsgrundlagen an die Hand, ob das Buch in das Programm passt. Üblicherweise ist ein Exposé etwa zwei DIN A 4 Seiten lang und enthält nur die wichtigsten Informationen. Ganz wichtig ist zu wissen, dass es sich dabei nicht um einen Marketingtext handelt. Es soll weder Spannung aufgebaut werden noch das Buch verkauft, sondern ein Lektor, der ein Manuskript naturgemäß nach eigenen Kriterien bewertet, muss hier alles vorfinden, was er zu seiner Entscheidung benötigt.

Ein gutes Exposé informiert und verkauft nicht

Viele Verlage erhalten jeden Tag unzählige Zusendungen und bevor sie überhaupt einen Blick in die Leseprobe werfen, schauen sie sich das Exposé an. Zwar geht es bei Büchern oft um Herzensdinge, um Kunst sogar, doch Zeit haben Lektoren wenig und wenn ein Exposé dann den formalen Anforderungen nicht entspricht, wird es häufig gleich aussortiert. Umso wichtiger ist es, viel Zeit und Sorgfalt auf das Exposé zu verwenden, denn es entscheidet am Ende mit darüber, ob und wie ein Buch veröffentlicht wird.

Zunächst mal ein ganz grundsätzlicher Rat: Viele Autoren sind so heiß darauf, ihr Buch vorzustellen, dass sie damit häufig noch während des Schreibprozesses auf Verlage zugehen. Auch wenn ich diese Ungeduld aus tiefstem Herzen verstehen kann – sie ist ein Fehler. Wenn du dein Manuskript abgeschlossen hast, dann lasse es zwei Wochen liegen. Dann liest du es noch einmal und beginnst es zu bearbeiten. Der Bearbeitungsprozess dauert mindestens genauso lange wie der Schreibprozess selbst, manchmal sogar länger. Wenn du dann das Gefühl hast, es ist fertig, gibst du es mindestens drei Menschen zum Testlesen und nach ihrem Feedback bearbeitest du es noch einmal. Erst dann solltest du darüber nachdenken, wie du dein Manuskript veröffentlichst.

Jede Ablehnung durch einen Verlag ist wertvoll

Ich empfehle allen Autoren, selbst denen, die den Weg in das Selfpublishing gehen, sich bei Verlagen mit einem Exposé zu bewerben. Warum? Weil sie von dort wichtiges Feedback erhalten und den Marktwert Ihres Manuskripts besser bestimmen können. Ist es wirklich schon reif für die Veröffentlichung? Trifft es einen Nerv oder den Geschmack eines bestimmten Publikums? Wenn dann von einem Verlag eine individuell formulierte Absage erfolgt, so kann man das getrost als Ritterschlag betrachten, denn offenbar hat die Einreichung einem Lektor so gut gefallen, dass er sich längere Zeit damit beschäftigt hat und mehr als nur die Standardfloskeln verfasst hat. Andreas Eschbach hat dazu einmal einen schönen Blogbeitrag und vor allem eine wunderbare Trostliste verfasst.

Das Schreiben des Exposés ist übrigens ein wunderbarer Test: Wenn deine Geschichte wirklich rund ist, dann sollte es dir ganz leicht fallen, das Exposé zu verfassen. Hast du an einer bestimmten Stelle Schwierigkeiten, ist das ein starker Hinweis darauf, dass du an diesem Punkt noch einmal arbeiten solltest, bevor du an eine Veröffentlichung denkst.

Was also gehört unbedingt ein Exposé und was auf keinen Fall? Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Verlag und es ist immer ratsam, sich genau anzuschauen, was der Verlag fordert und das Exposé daran anzupassen. Viel Arbeit? Ist es! Aber immerhin sollen hier Experten davon überzeugt werden, viel Geld und Zeit in dein Manuskript zu investieren. Wenn du dazu schon nicht bereit bist, warum sollten sie es dann sein?

Die Eckdaten: Wie viele Normseiten hat das Manuskript? Nur mit dieser Information kann der Verlag abschätzen, wie viele Buchseiten das Buch am Ende haben wird. Formulierungen wie 80 DIN A 4 Seiten sind also ein sicherer Weg, um direkt im Papierkorb zu landen. Wer ist der Autor oder die Autorin und benutzt er ein Pseudonym? Welchem Genre ist ein Buch zuzuordnen, möglichst sogar mit Untergenre.

Das Thema: Thema und Plot werden gerne verwechselt. Das Thema von Romeo und Julia etwa ist: Große Liebe reicht nicht aus, um familiäre Widerstände zu überwinden. Versuche, das Thema deines Buches in nur einem Satz zu benennen.

Der Plot: Fasse dein Buch in wenigen Sätzen zusammen. Dazu gibt es ein bekanntes Bild, das ich als sehr hilfreich erlebt habe: Stell dir vor, du fährst mit einem der wichtigsten Verlagsmenschen überhaupt im Aufzug und hast nur ein Stockwerk Zeit, um ihn von deinem Buch zu überzeugen.

Die Inhaltsangabe: Diese sollte optimalerweise nicht länger als eine halbe DIN A Seite lang sein und alle wichtigen Handlungsstränge inklusive ihrer Auflösung beinhalten. Klingt schwer? Ist es auch, aber unbedingt notwendig. Nur dann kann der Lektor oder die Lektorin ein Gefühl dafür bekommen, was in der Geschichte geschieht und ob es überhaupt eine konsistente Handlung gibt. Ein No-Go sind Cliffhanger, Fragen oder sonstige Mittel, mit denen man zum Beispiel auf einem Klappentext Spannung erzeugt. Nochmal: Das Exposé ist KEIN Marketingtext.

Die Figuren: Führe eine Liste deiner Figuren auf. Beschreibe dabei ihr Äußeres und ihre wichtigsten Eigenschaften: Stärken, Schwächen und ihre Backstory. Zwei bis drei Zeilen reichen dafür aus. Das gelingt dir nicht? Dann solltest du vielleicht noch einmal an deinen Charakteren feilen.

Das Setting: Jede Art von Geschichte findet irgendwo statt. Wo und wann spielt deine? Warum hast du dich für dieses Setting entschieden? Neben Ort und Zeit gehören zum Setting auch noch andere Aspekte: »Mord im Orientexpress« etwa spielt in einem Zug.

Die Perspektive: Aus welcher Perspektive wird die Geschichte erzählt? Wechselt die Perspektive zwischendrin?

Über den Autor/die Autorin: Hast du bereits Bücher veröffentlicht? Wo kommst du her, was machst du sonst so? Hier gehört zum Beispiel auch hin, wenn du einen besonderen Bezug zu deiner Geschichte hast, etwa, weil du in der Gegend lebst, in der sie spielt.

Weitere Fragen: Wie bist du auf die Idee zu deiner Geschichte gekommen? Was hat dich daran fasziniert? Welche Zielgruppe möchtest du erreichen?

Was meiner Meinung nach nicht in ein Exposé gehört: Marketingstrategien und Vermarktungsmöglichkeiten. Das ist Aufgabe des Verlags. Wenn ein Verlag dich dazu auffordert, für die Veröffentlichung zu bezahlen oder eine gewisse Mindestmenge an Büchern abzunehmen, ist es sehr wahrscheinlich, dass du es mit einem Druckkostenzuschussverlag zu tun hast. Davon solltest du tunlichst die Finger lassen.

Begleitet wird ein Exposé von einer Schriftprobe von etwa einem Kapitel – das ist von Verlag zu Verlag unterschiedlich und manchmal auch einem Lebenslauf des Autors.

Je nach Verlag können die Anforderungen unterschiedlich sein, doch das sind die grundlegenden Bausteine eines Exposés. Es zu verfassen, noch bevor man mit dem Schreiben beginnt, kann übrigens eine wunderbare Übung sein, um festzustellen, ob man die Geschichte auch gut genug entwickelt hat.

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