Autorenleben

Vom Schreiben leben – die richtige berufliche Absicherung für Autoren

Früher sagte man, dass in Deutschland nur etwa die 100 erfolgreichsten Autoren vom Schreiben leben konnten, inzwischen hat sich die Zahl durch die neuen Vertriebskanäle des Selfpublishings deutlich erhöht und ein wenig ist es auch eine Definitionsfrage. Lebt vom Schreiben, wer Texte schreibt, korrigiert, online publiziert, etc.? Oder gelten nur die Schriftsteller, die als Verlagsautoren in den Bestsellerlisten sind, als echte Schreiberlinge? Fest steht: Immer mehr Freiberufler üben einen Beruf rund um das Schreiben aus, dazu gehören Selfpublisher, Content Manager, Blogger, Copywriter, Texter und Ghostwriter. Wer seine Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf macht, steht bald vor der Herausforderung, wie der kreative Einsatz finanziell abgesichert werden kann. Bereits beim Buchverkauf gibt es heute viel mehr Möglichkeiten als noch vor zehn Jahren. Statt nur einem gedruckten Buch über einen Verlag in den Buchhandel zu bringen, sind gerade Ebooks für neue Autoren und Selfpublisher die viel wichtigere Einkommensquelle und ihre Vermarktung ein weites Feld. Amazon und Kindle Unlimited locken mit Boni, wenn man das Ebook dort exklusiv einstellt, dafür bleiben andere Plattformen wie Tolino außen vor. Einkünfte aus Buchverkäufen sind aber nicht die einzigen Geldquellen für fleißige Wortschmiede und zahlreiche Institutionen sehen eigene Angebote im Bereich Vorsorge und Absicherung vor, mit denen man sich in jedem Fall einmal beschäftigen sollte.

Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort)

Der Auftrag der VG Wort ist es, dafür zu sorgen, dass Autoren Tantiemen bekommen, wenn ihre Bücher kopiert oder ausgeliehen werden. Von Bibliotheken, Copyshops, Verlagen und Kopiermaschinenherstellern wird in einen Fond eingezahlt, von dem aus Ausschüttungen an Autoren erfolgen – und zwar für jedes Buch im Buchhandel und sogar für Online-Texte. Grundlage dafür ist ein sogenannter Wahrnehmungsvertrag, bei dem die VG Wort damit beauftragt wird, Gebühren für die Nutzung und Vervielfältigung des geistigen Eigentums der Autoren einzusammeln. Dazu zählen Zeitschriftenbeiträge, Online-Artikel aber einer bestimmten Länge, Beiträge in Sammelbändern, Romane, Kinderliteratur, Hörfunkbeiträge, Schulbücher, etc. Nach dem Abschluss des Wahrnehmungsvertrags kann die Meldung von Artikeln und Titeln online erfolgen, Pseudonyme werden per Post angemeldet und es kann ausgewählt werden, ob diese “aufdeckbar” sein sollen oder nicht. Auch wenn der umfangreiche Vertrag ein wenig einschüchternd wirkt, so hat die Nutzung von VG Wort für Autoren nur Vorteile und ist in jedem Fall zu empfehlen.

VS Verband deutscher Schriftsteller/innen in Verdi

Gewerkschaft für Autoren? Klingt erst einmal unerwartet, doch genau das ist der Verband deutscher Schriftsteller/innen, der um 2000 Teil der Gewerkschaft Verdi wurde. Der VS engagiert sich regional, national und international für faire Verlagsverträge und die Verbesserung der Rechte und Repräsentation von Autorinnen. Beispielsweise wurde 2015 gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und großen Verlagen wie Rowohlt Normverträge entwickelt, die Autoren und Übersetzern mehr Rechte und Sicherheit einräumten.  Der VS arbeitet zusammen der VG Wort und der Künstlersozialkasse und ist Mitglied beim Deutschen Kulturrat und der Deutschen Literaturkonferenz e.V. und bietet seinen Mitgliedern kostenlosen Rechtsschutz bei beruflichen Streitigkeiten, organisiert Konferenzen und Aktionen und vertritt die Interessen seiner Mitglieder auch politisch. Weiterbildungsangebote und Arbeitsaufenthalte im Ausland gehören ebenfalls dazu. Für selbstständige Autoren und Freiberufler hat der VS in Verdi ein eigenes Angebot mit einem Mindestbeitrag von 15,00 Euro bzw. 1 % aller Einkünfte.

Die Künstlersozialkasse 

Die Künstlersozialkasse KSK übernimmt nach dem Künstlersozialversicherungsgesetzt (KSVG) die Absicherung von Künstlern und Publizisten, die ansonsten aufgrund ihrer freiberuflichen/selbstständigen Tätigkeit nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung sein könnten bzw. sich teuer privat versichern müssten. Ziel ist es, künstlerisches und publizierendes Schaffen zu ermöglichen, ohne dass Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Altersvorsorge zu einem Risiko werden. Die Mitglieder werden ähnlich gut wie Arbeitnehmer gestellt. Der Beitrag richtet sich nach dem Einkommen und wird von der KSK durch Einnahmen von Unternehmen und Verwertern aufgestockt und beispielsweise an die jeweilige gesetzliche Krankenversicherung weitergeleitet. Die kostenlose Mitversicherung von Familienmitgliedern ist ebenfalls inbegriffen, lediglich bei den ersten sechs Wochen einer Krankheit, in der in einem Angestelltenverhältnis der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung übernimmt, entsteht eine Lücke, die aber durch den Abschluss von Zusatzleistungen überbrückt werden kann. Ob man die KSK nutzen kann und welche Vorgaben zu beachten sind, lässt sich hier nachlesen. 

Berufshaftpflicht und private Vorsorge

Lange galt, dass wer im Internet schreibt oder Dienstleistungen anbietet, nicht optimal abgesichert ist. Nun aber gibt es mehrere Angebote, die nicht nur eine Berufshaftpflichtversicherung beinhalten, sondern auch absichern, wenn es etwa um eine Urheberrechtsverletzung geht oder andere Streitigkeiten, die im Zusammenhang mit dem Publizieren auftreten. Beispielsweise weil ein Coverbild verwendet wurde ohne Beachtung der Urheberrechtsvorschriften oder es andere Streitigkeiten im Zusammenhang mit erbrachten Dienstleistungen gibt. Zwei Anbieter, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe, sind die Media Haftpflicht von Exali und die Haftpflicht für Freiberufler von Hiscox.  Selbstverständlich können und sollten auch freiberufliche Autoren in private Vorsorge investieren. Beratung und Angebote finden sie zum Beispiel beim Vorsorgewerk Presse. Hier finden sich Versicherungsangebote, die auf Medienschaffende und ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

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