Schreiben lernen

Geh auf Konfliktkurs! Der Konflikt als Schreibwerkzeug

In meinen Gesprächen mit angehenden Autoren fällt mir oft auf, dass diese sich in rein deskriptiven Erzählungen verlieren. Eines der einfachsten Mittel, um Spannung in eine Geschichte zu bringen, ist der Konflikt. Hier gibt es so viele Möglichkeiten und gleichzeitig wirkt ein Konflikt wie ein Motor für die gesamte Geschichte. Als Ghostwriter für Romane weiß ich, dass der Konflikt der Dreh- und Angelpunkt einer guten Geschichte ist.

Was ist ein Konflikt?

Konflikte entstehen immer dann, wenn gegensätzliche Interessen aufeinander treffen, etwa wenn die Hauptfigur jemanden heiraten soll, den sie nicht liebt, wenn finstere Mächte mit einem Gegenstand eine Absicht verfolgen, die die Hauptfigur unbedingt verhindern soll – oder wenn der Konflikt sich im Inneren einer Figur abspielt, vielleicht weil sie zwei Menschen gleichzeitig liebt, weil sie den Drang verspürt, blutige Morde zu begehen oder sich nach Freiheit sehnt, gleichzeitig aber die Menschen in ihrem Umfeld nicht enttäuschen möchte.

Konflikte entstehen durch:

  • das soziale Umfeld. Traditionen, Kultur, Freunde und Familie sind ein mächtiger Einfluss. Was aber, wenn man sich etwas wünscht, das damit nicht konform ist? Genau dann entsteht ein Konflikt. In der Gestaltung der Geschichte ist es sinnvoll, einzelne Aspekte durch jeweilige Figuren verkörpern zu lassen. Wer steht für die Wahrung der Norm, der Traditionen? Wer zum Beispiel für das Scheitern daran, sie zu überwinden? Wer für ein erfolgreiches Überwinden – aber zu einem hohen Preis? Auf diese Weise kann dieses Thema sehr lebendig ausgestaltet werden.
  • übernatürliche Kräfte. Ein Klassiker, der immer wieder gerne genommen wird. Düstere Prophezeiungen, uralte Mächte, magische Fähigkeiten, das alles sind die Zutaten, um eine Geschichte richtig spannend zu machen. Vielleicht möchte die Heldin gar keine Heldin sein, ist aber seit ihrer Geburt dazu bestimmt, während andere wiederum sie unbedingt davon abhalten möchten und dabei vor nichts zurückschrecken.
  • andere Charaktere. Das ist wohl das klassischste Setting: Held und Gegenspieler, Protagonistin und Antagonist. Im Krimi etwa entsteht der Konflikt durch den Täter und der Person, die ihn jagt, in einer Liebesgeschichte vielleicht durch Eifersucht in Form einer anderen, verführerischen Person, in einem Thriller vielleicht durch einen Agenten, der die Hauptfigur verfolgt.
  • innere Konflikte. Darauf bin ich zuvor schon eingegangen. Wir alle kennen widersprüchliche Gefühle, die uns mit der Frage zurücklassen, wie wir mit einer bestimmten Situation umgehen. Vielleicht belügt der Held sich selbst, vielleicht die Welt um sich herum? Es gibt viele Möglichkeiten, diese Art von Konflikt aufzulösen.

Damit ist bereits ein weiteres wichtiges Stichwort für den Konflikt gegeben. Üblicherweise müssen alle wichtigen Personen und der Hauptkonflikt während des ersten Viertels des Buches vorgestellt worden sein. Im Hauptteil dann versucht die Hauptfigur den Konflikt zu lösen – scheitert aber immer wieder daran (Stichwort Spannungsbogen), um im Ende dann endlich eine Lösung zu haben. Diese muss nicht immer positiv sein – auch der Tod ist ein Ende für einen Konflikt.

Was muss ein guter Konflikt beinhalten?

  • Er muss von Bedeutung sein. Ein belangloser oder leicht zu lösender Konflikt ist das Langweiligste auf der Welt. Es muss also um etwas Wichtiges gehen, die große Liebe, Leben und Tod, Gerechtigkeit, die Rettung der Welt.
  • Das Ende darf nicht absehbar sein. Dazu müssen die Kräfte, die gegeneinander wirken, etwa gleich stark sein. Ein besonders mutiger Held trifft auf entschlossene finstere Kräfte, eine Frau mit Freiheitsdrang bricht mit den Konventionen ihrer Zeit. Bis zum Schluss muss der Leser mitfiebern.
  • Er muss nachvollziehbar sein. Wer interessiert sich schon für einen Konflikt, den man nicht selbst nachfühlen kann? Grandios hat das Stephenie Meyer in ihrer “Biss”- Trilogie gelöst, in dem sie gleich mehrere Konflikte miteinander verbunden hat, zum einen Faszination und Angst vor dem Übernatürlichen, zum anderen die beiden völlig unterschiedlichen Jungen/Männer Jacob und Edward. Jede Leserin hat wohl beim Lesen mehr als einmal gezweifelt, wer denn nun der Richtige für Bella ist. Eine wichtige Frage hierbei, die unbedingt schlüssig beantwortet werden muss, ist, warum der Held/die Heldin nicht einfach Reißaus nimmt und sich dem Konflikt stellt.
  • Es muss eine schlüssige Lösung geben. Wie würde wohl ein Krimi ankommen, bei dem die Lösung darin besteht, dass Aliens auf der Erde landen und den Täter versehentlich dabei enttarnen? Vermutlich nicht gut, und das aus einem entscheidenden Grund: Die Lösung des Konflikts muss bereits von Anfang an in der Geschichte angelegt sein. Gerade deshalb ist die Konzeption bei Büchern so wichtig. Einfach drauf los schreiben funktioniert nur sehr selten und wenn, dann ist es ein Glücksfall.

 

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