Buchrezensionen

Eintagsmänner und andere Sorgen: Bret Easton Ellis und die anderen Hunde

Schon lange nicht mehr hat mich ein Roman so gut unterhalten wie der Debütroman der schwedischen Autorin Lina Wolff, der 2017 in deutscher Übersetzung erschienen ist. “Bret Easton Ellis und die anderen Hunde” spielt in Barcelona und erzählt die Geschichte der jungen Araceli, die mit ihrer Mutter in einer heruntergekommenen Altbauwohnung über der berühmten Schriftstellerin Alba Cambó lebt. Alba verliebt sich und deshalb muss ihre Haushälterin zu Araceli und ihrer Mutter ziehen, kurz darauf erkrankt Alba schwer und stirbt. Alba ist berühmt für ihre Kurzgeschichten, in denen es ordentlich zur Sache geht – und zwar gegen die Männer. Kurzerhand werden die Gewaltorgien, mit denen sich männliche Autoren an ihren weiblichen Figuren vergehen, auf den Kopf gestellt und die Männer bekommen von rachsüchtigen Frauen ihr Fett weg. Der Roman verfolgt zahlreiche Nebenhandlungen, deren Plots er lustvoll nachspürt und die zur dichten Atmosphäre des Romans beitragen. In einer der Geschichten kommt eine Feministin in ein Bordell und rät den misshandelten Frauen, für den Abbau ihres Hasses Zwinger mit Rüden zu halten, die allesamt die Namen bekannter Schrifsteller haben, und wenn sie wieder einmal zu viel von den Freiern ertragen müssen, die Hunde zu quälen. Während Araceli mit ihrer besten Freundin das Erwachsenwerden entdeckt, erzählt sie von den “Eintagsmännern” ihrer Mutter, Liebhaber, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden, was ihre Mutter nach vielen schlechten Erfahrungen für die sinnvollste Art der Interaktion mit Männern hält.

Der Roman zeichnet sich durch temporeiche Sprache und viele scheinbar wild angeordnete Versatzstücke aus, die aber in ihrer Summe eine großartige Kritik am Männerbetrieb Literatur, der Arroganz und dem Sexismus männlicher Autoren und ein sehr eindringliches Bild weiblichen Erlebens unter patriarchalen Vorzeichen ergeben. Sex, Lust, Langeweile, Verlust, Armut, Hoffnung und Tod werden durcheinandergewirbelt und Lina Wolff experimentiert hingebungsvoll mit ihren Figuren und deren Themen. So ist ihr Roman erheiternd und bitterböse zugleich. Die starken und so unterschiedlichen Frauenfiguren begeistern jenseits von allen Klischees. Nachdem man dieses Buch gelesen hat, will man Wein trinken und viele Zigaretten rauchen und das Frausein ebenso betrauern wie feiern. Ein großartiger, feministischer Roman, der kritisiert, dekonstruiert und dabei trotzdem Laune macht.

Lina Wolff: Bret Easton Ellis und die anderen Hunde, Hoffmann & Campe Tempo Belletristik 978-3-455-00107-5 22,00 Euro

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