Buchrezensionen

Eine furiose Abrechnung mit einer ganz bestimmten Sorte Mann: “Alles über Beziehungen”

Es ist schon lange her, dass ich beim Lesen eines Buches Tränen lachte. Doris Knechts “Alles über Beziehungen” ist so ein Buch. Schon nach wenigen Seiten lachte ich so laut, dass ich am nächsten Tag Bauchschmerzen hatte. Das Buch handelt von Viktor – oder “Ficktor”, wie er später heißen wird – ein Mann Anfang 50, der sich selbst für zu jung, zu sexy und zu unwiderstehlich hält. Viktor arbeitet im Kulturbetrieb und Viktor hat eine Schwäche für Frauen. Hypersexuell ist er, angeblich, aber eigentlich ist Viktor nur ein armes Arschloch, wie sie zu hunderttausenden da draußen herumlaufen. Er lügt, laviert, vertröstet zwischen den Frauen hin- und her, die Eine heiratet er nicht, obwohl er sie liebt, die Andere ruft er nicht mehr an, weil ihm ihre plötzliche Mannlosigkeit verdächtig vorkommt. Mit der Nächsten trifft er sich zum Sex, obwohl er sie auch mal irgendwann verletzt hat, bis sie merkte, dass Viktor das gar nicht wert ist; für die Letzte wiederum ist Viktor nur das Absprungbrett.

Doris Knecht schreibt gewohnt furios und mit scharfem Blick. Anfangs ist man fast gewillt, ein wenig Mitleid mit Viktor zu haben, der dann irgendwann doch erkennen muss, dass er nicht mehr so jung und fit ist, wie er sich das einredet, der sich für besser hält, als er ist, wenn er mit seinem Fahrrad durch Wien radelt und es im Kulturbetrieb zwar zu einer gewissen Größe, aber doch nie zu wirklicher Bedeutung geschafft hat. Erbarmungslos ist Doris Knecht, wenn sie uns erst viele Seiten lang Viktors Selbstdarstellung lauschen lässt, bis wir ihn, Stück für Stück, durch die Augen der Frauen um ihn herum sehen. Unterhaltsam ist es, so viel Vertrautes wiederzuerkennen und es mit so viel Genuss seziert zu sehen. Wenn man sie liest, die Nachrichten von Viktor, die er schnell zwischen den Meetings verschickt, da mit einem küssenden Smiley, hier mit vielen Ausrufezeichen, dann weiß man, man kennt so einen, so einen Viktor, der zu viel von sich selbst redet, dessen Penis ein bisschen zu klein, der Rücken ein wenig zu behaart und der überhaupt eigentlich einer von den Typen ist, die die meisten Frauen nur aus Gründen vögeln, die sie sich im Nachhinein nicht mehr erklären können. Viktor ist ein Blender, ein Lügner, eine arme Gestalt, so lebensecht gezeichnet, dass man ihn in jeder Schickeria-Kneipe wiederentdecken kann.

“Alles über Beziehungen” ist eine bitterböse Abrechnung mit dieser Sorte Mann, so treffsicher angelegt, dass die endgültige Vernichtung nur noch Formsache ist. Eine SMS ist es, die Viktors Leben und seine Lügen schließlich zum Einsturz bringen. Für den Schluss und insbesondere die letzten Sätze verneige ich mich vor Frau Knecht. Ganz große Kunst.

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