Schreiben lernen

Buchcharakteren Namen geben: Diese Fehler machen viele Autoren

Mit unseren Buchcharakteren ist es so eine Sache. Erschaffen wir sie richtig, entwickeln sie allzubald ein Eigenleben, verhalten sich anders als geplant (aber eben stimmig zu ihrem Charakter) und manchmal macht es fast den Eindruck, als sei es schwer, sie einzufangen. Mir hilft es sehr, wenn ich auf kostenlosen Bild-Datenbanken Fotos von Menschen heraussuche, die meinen Charakter gut verkörpern. Auf einmal ist da ein Gesicht und es ist viel leichter, mir genau diesen Menschen vorzustellen und ihn in meiner Geschichte auch zu transportieren. Neben dem Äußeren und der Backstory einer Figur spielt auch der richtige Name eine wichtige Rolle, um einen einprägsamen Charakter mit hohem Wiedererkennungswert zu erschaffen.

Es gibt Charaktere wie “Herrn Lehmann” oder auch “Ismael”, die bleiben in Erinnerung und sind untrennbar mit einem bestimmten Buch verknüpft. Manchmal sind es ganz gewöhnliche Namen, die aber die Figur besonders gut treffen, oder es sind Wortneuschöpfungen und es gibt dabei selten “neutrale” Namen. Wer von uns in der Grundschule von einem Manuel geärgert wurde, wird so nicht seinen Lieblingsprotagonisten nennen. Wir verknüpfen bestimmte Dinge mit einem Namen, seiner Bedeutung, seinem Klang oder den Erfahrungen, die wir mit ihm gemacht haben. Als Ghostwriter für Romane mache ich immer wieder die Erfahrung, dass ganz gleich, wie unklar die Geschichte selbst für meine Kunden ist, für die Namen haben sie meistens sehr klare Vorstellungen. Was für uns gilt, gilt aber auch für unsere Leser: Auch sie verbinden etwas mit einem Namen und entscheiden innerhalb weniger Sekunden, ob sie ihn mögen oder nicht. Deshalb lohnt es sich, sich über die Wahl des Namens einige Gedanken zu machen.

Wichtig für die Namenswahl:

Das Alter: Jemand, der gerade Anfang 20 ist, wird vermutlich eher Julia oder Leonie heißen, nicht aber Hiltrud oder Gerda. Namensgebungen folgen bestimmten “Trends” (“Kevin allein zu Haus” löste einen solchen Trend aus) und natürlich kann es einzelne Personen geben, die außerhalb solcher Trends einen bestimmten Namen erhalten haben (zum Beispiel ein Gottfried im Teeniealter), doch wenn das so ist, muss in jedem Fall erklärt werden, welchen Hintergrund dieser Name hat (der verstorbene Opa, der Lieblingsdichter von Mama, etc.).

Die Herkunft: Namen zeigen auch an, wo jemand herkommt. Ein “McLachlan” wird vermutlich aus Schottland kommen, ein “Meier” aus Deutschland. Durch die zunehmende Globalisierung stimmt das auch nicht mehr so ganz, in den USA findet man Familiennamen aus der ganzen Welt, trotzdem ist der Nachname ein Indikator dafür, wo, wenn schon nicht die Figur selbst, doch zumindest deren Vorfahren herkamen. Gleichzeitig sind Namen auch Indikatoren für die soziale Stellung. Eine “Charlotte von Rheinsfeld” weckt andere Assoziationen als eine “Lilly Kotter”. Nehmen Sie als AutorIn diese Assoziationen bewusst wahr und notieren Sie sich, was Ihnen dabei in den Sinn kommt. Diese Assoziationen können sehr hilfreich sein, um Ihren Charakter für Sie sichtbarer zu machen.

Was Namen noch können

Namen können aber noch mehr: So können Namen bereits Andeutungen enthalten, sogenannte “sprechende” Namen. Wer seine weibliche Hauptfigur “Jezebel” oder “Salome” nennt und auf einen Rachefeldzug schickt, gibt ihrem Namen eine hohe symbolische Bedeutung. Die Verwendung eines Namens ist ein gutes Mittel, um die Beziehungen zwischen den Figuren zu skizzieren: Der Lehrer, der die Hauptfigur “Fräulein von Rheinsfeld” nimmt, zeigt damit die Beziehung ebenso an, wie die Freundin, die sie nur “Lotti” nennt. Nähe und Distanz lassen sich so mit einfachen Mitteln ausdrücken, ohne beschrieben werden zu müssen.

Ganz wichtig für den Leser ist es, Ähnlichkeiten zu vermeiden. Wer einen “Kurt” und dann noch einen “Herrn Kurtow” hat oder eine “Melly” und dann eine “Milli” wird seine Leser rasch damit verwirren. Schaffen Sie einzigartige Namen, die sich von den Namen Ihrer anderen Buchcharaktere gut absetzen. Wichtig ist es außerdem, dass die Namen leicht zu lesen sind, also ein “Wizyniczow” wird deutschsprachigen Lesern eher schwerer im Gedächtnis bleiben als ein “Wichnow”. Das gilt auch für Vornamen, die wie Nachnamen klingen und umgekehrt. Denken Sie auch darüber nach, was passiert, wenn Sie zum Beispiel den Genitiv für Ihre Figur verwenden: “Markus’ Buch” könnte den Lesefluss eher stören als “Marks Buch”.

Die Namen realer Personen sollten Sie, wenn Sie rechtliche Schwierigkeiten vermeiden wollen, übrigens nicht benutzen. Wenn Sie auf der Suche nach Fantasy-Namen sind, ist der Fantasy-Namensgenerator des Schreiblabors eine gute Option.

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