Schreiben lernen

6 Tipps, wie man Charaktere zum Leben erweckt

Bücher leben von ihren Charakteren. Je komplexer diese sind, je mehr sie aus der Masse herausragen, umso mehr bleiben sie in Erinnerung und binden Leser an eine Geschichte oder sogar eine ganze Romanreihe. Deshalb ist es wichtig, auf die Entwicklung von Figuren in einem Buch viel Zeit zu verwenden und auf die Suche nach Inspiration zu gehen. Als Schreiberling trage ich ohnehin immer ein Notizbuch bei mir und ein Handy lässt sich blitzschnell in ein Aufnahmegerät verwandeln.

Auf Folgendes achte ich dabei:

Echte Unikate
Wir alle kennen Menschen, die unverwechselbare Eigenschaften oder sogar Marotten haben. Um zu verstehen, wie fiktionale Charektere funktionieren, ist es wichtig, sich echte Menschen und das, was sie ausmacht, anzuschauen. Hervorragend dafür geeignet sind natürlich Orte, an denen sich viele Menschen aufhalten, wie Parks, Cafés, ein Bahnhof, im Zug oder im Supermarkt. Doch gleichzeitig hat man hier oft nur kurz Zeit, Menschen zu betrachten, weshalb ich tatsächlich Orte bevorzuge, an denen ich mit hoher Wahrscheinlichkeit “typische” Charakterzüge oder Verhaltensweisen beobachten kann, also Szenelokale, Konzerte, Veranstaltungen, aber eben auch Online-Foren oder Facebook-Gruppen. Mir ist es dabei wichtig, mit den Menschen in das Gespräch zu kommen und etwas über sie zu erfahren. Dabei gehe ich, soweit mir das bewusst möglich ist, wertfrei vor. Jeder Mensch hat Gründe für sein Verhalten und für seine Weltsicht und auch wenn ich diese nicht teile oder sie sogar meiner entgegensteht, kann das wichtige Impulse für die Entwicklung von Charakteren in einem Buch geben.

Abstand zwischen Vorlage und Figur
Es gibt das Sprichwort, dass man aufpassen soll, was man einem Autor erzählt, weil dieser es irgendwann in einem Buch verwendet und in der Tat ist das eigene Erleben die größte Inspirationsquelle. Gleichzeitig ist es aber so, dass man nicht einfach echte Menschen in ein Buch verpflanzen kann – zum einen, weil das die Persönlichkeitsrechte der jeweiligen Personen verletzt, und zum anderen, weil Bücher nun einmal nicht das echte Leben sind. Die Realität hat keinen roten Faden, nicht alle Ereignisse sind miteinander verknüpft, sondern geschehen auch zufällig.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr hilfreich sein kann, einzelne Charaktermerkmale verschiedener Menschen miteinander zu vermischen, abzuschwächen oder sogar in das Extreme hinein zu steigern.

Details sind das A und O
Figurenentwicklung ist Detailarbeit. Eine Persönlichkeit offenbart sich gerade in den Details, den exzentrischen, den weniger offensichtlichen. Die Art, wie jemand seine Brille putzt, etwa oder wie man seinen Kaffee trinkt. Es ist wichtig, auf diese Details zu achten und sie sich auch im Vorfeld für einen Buchcharakter zu überlegen. Dabei ist nicht alles zufällig. Persönlichkeit folgt immer einem Muster und es gibt Erklärungen, warum sich jemand wie verhält.

Ausdruck und Wortwahl
Wortwahl und Sprache eines Menschen sagen sehr viel über ihn aus: seine Herkunft, seinen Bildungsstand, sein Alter, sein Geschlecht, sein Weltbild. Deshalb ist es von großem Nutzen, sich mit bestimmten sprachlichen Gepflogenheiten vertraut zu machen. Wie spricht ein 15jähriger Schüler? Wie jemand, der sein Leben lang Anti-Atomkraft-Aktivist war? Was für Begriffe verwenden Literaturkritiker gerne? Welche Worte wurden eher in der ehemaligen DDR verwendet, welche in der BRD – und gibt es vielleicht sogar einen Dialekt? Steht die Figur zu ihrem Dialekt oder versucht sie ihn zu verbergen oder benutzt sie ihn nur, wenn ihr danach ist?
Nützlich kann es dabei sein, verschiedenen Menschen eine ähnliche Frage zu stellen, die eine etwas umfassendere Antwort erfordert und dabei auf die Unterschiede zu achten.

Analogien
Auch wenn wir das oft vergessen, so teilen wir selbst mit Menschen, die wir gar nicht mögen, doch ähnliche Gefühle und Gedanken. Das gilt auch sogar für Verbrecher oder Mörder. Aus diesem Grund gelingt es uns auch, uns in andere Personen – und insbesondere unsere Charaktere hineinzudenken. Die Frage nach dem “Warum” und dem “Wie” ist dabei hilfreich.

Interviews
Jede Figurententwicklung beginnt bei mir mit einer Reihe von Notizen und Stichwörtern, die ich erst nach und nach sortiere. Dabei hat es sich als sehr nützlich erwiesen, mit meinen fiktiven Charakteren zu sprechen, ihnen Fragen zu stellen und so dem bereits erwähnten “Warum” auf die Spur zu kommen.

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