Schreiben lernen

5 Tipps, wie man einen wirklich guten Dialog schreibt

Dialoge machen eine Geschichte lebendig und geben dem Leser das Gefühl, die Ereignisse hautnah zu erleben. Dialoge sind eine elegante Art, um verschiedene Aspekte zu vermitteln, etwa Einstellung und Überzeugungen der Sprechenden, ihre Beziehung untereinander, ihre Herkunft, ihren Charakter. Genau aus diesem Grund sind Dialoge so wichtig – bei Drehbüchern sogar noch mehr als bei Romanen. Es kann gute Gründe geben, über viele Seiten hinweg keinen Dialog einzusetzen, doch das verlangt den Lesern einiges ab und birgt das Risiko, sie zu verlieren. Wie aber schreibt man denn einen guten Dialog?

Ein guter Dialog liest sich wie eine echte Unterhaltung, die wir im realen Leben führen, weist aber nicht die typischen Füllwörter, abgebrochenen Sätze, das Stottern und Wiederholungen auf. Darüber hinaus aber folgen Dialoge den Regeln gesprochener Sprache – nicht der Schriftsprache, denn das würde viel zu künstlich wirken. Um Dialoge spannend zu halten, wird die gesprochene Sprache bzw. der normale Ablauf einer Konversation verdichtet: Statt ausschweifender Begrüßug und viel Smalltalk, wie wir ihn ständig halten, kommt man schnell zur Sache, immerhin muss die Story ja weitergehen. Ein Dialog ist nie ein Selbstzweck, er muss innerhalb der entsprechenden Szene oder der gesamten Story eine Funktion erfüllen und sie vorantreiben.

Manchmal wollen uns Dialoge einfach nicht gelingen – und auch das kann uns weiterbringen: Immer, wenn es uns schwer fällt, für eine bestimmte Person in unserer Geschichte einen Dialog zu schreiben, ist das ein Indikator dafür, dass wir diese Figur noch nicht genügend durchdacht haben. Wenn wir eine Figur in all ihren Eigenschaften und Widersprüchen vollständig und kongruent erschaffen haben, ist es manchmal so, als könnten wir sie beim Schreiben sprechen hören. Die Dialoge kommen ganz von selbst und fließen regelrecht. Wenn wir aber einfach nicht die richtigen Worte finden und ständig wieder in das Deskriptive abgleiten, dann liegt es daran, dass die Figur noch nicht “funktioniert” und wir dringend noch ein wenig an ihr feilen müssen. Es kann auch sein, dass die Figur funktioniert, aber die Story noch nicht wirklich ausgereift ist.

Grundlegende Tipps zum Dialogschreiben:

  1. Lebendige Sprache, authentische Wortwahl: Nehmen Sie sich vor dem Schreiben eines Dialogs ein wenig Zeit, sich über die Sprechweise Ihrer Figur Gedanken zu machen. Welche Wortwahl passt zu ihr? Wie würde sie einen bestimmten Sachverhalt ausdrücken? Betrachten Sie dabei auch die Beziehung zum Konversationspartner. Mögen die beiden sich? Ist es eine konflikthafte Szene oder ein Gespräch unter Vertrauten? Werden Fragen beantwortet – oder neue aufgeworfen? Je klarer Sie sich über diese Fragen sind, umso einfacher wird es für Sie, einen Dialog zu schreiben. Achten Sie auch darauf, die Struktur zu unterbrechen. Auf eine Frage wird nicht geantwortet, statt einer Antwort folgt Schweigen oder ein Schulterzucken. Das macht einen Dialog für den Leser noch echter und lebendiger.
  2. Keine langen Schachtelsätze, keine gestelzten Wörter – außer der oder die Sprechende ist ein verkopfter Einzelgänger, der mehr liest als spricht. Dann mag das passen. Bei allen anderen Fällen gilt: Kurze Sätze, einfache Sprache.
  3. Wiederholungen vermeiden, authentisch bleiben: In der Literatur und im Fernsehen gibt es einen Begriff dafür, wenn versucht wird, in einen Dialog alle möglichen Hintergrundinformationen zu packen, die aber das Gespräch der Figuren völlig unauthentisch klingen lassen. Ein Beispiel: Zwei Schwestern unterhalten sich. Die Erste: “Weißt du noch, damals, als Vater einfach fortging und wir gar kein Geld mehr zum Leben hatten? Damals ging es Mutter so schlecht, dass sie sich kaum noch um uns kümmern konnte und du und ich, wir aren auf uns selbst gestellt.” – Die Zweite: “Ja, damals hatten wir es wirklich schwer. Und als uns dann auch noch die Wohnung weggenommen wurde.” – In Wirklichkeit würden zwei Schwestern, die diese Ereignisse gemeinsam erlebt haben, niemals so sprechen – deshalb heißt diese Unart “As you know, Bob” (“Wie du weißt, Bob”) oder kurz “AYKB” und ist ein Zeichen ganz schlechten Stils. Um das zu vermeiden, sollten Informationen zum Plot der Geschichte immer nur wohldosiert in Dialogen eingebaut werden.
  4. Kontext mitliefern: Wenn wir uns im echten Leben mit jemandem unterhalten, liefern die Situation, die Beziehung zu dieser Person, Mimik und Gestik jede Menge Kontext. Rufen wir unserem Kollegen zu: “Hast du die Mail gesehen?”, dann weiß er genau, was wir meinen. In einem Buch funktioniert das nicht. Hier braucht es etwas mehr Kontext, aber nicht zu viel, um das “As you know, Bob” Phänomen zu vermeiden.
  5. Kommentierende Begleitsätze weglassen: Gerade neue Autoren machen das oft. Hinter jeder wörtlichen Rede folgt ein “sagte sie” oder “fragte er”. Hier gilt die Regel: weglassen, wo es nur geht. Ein guter Dialog spricht durch sich selbst und braucht die Begleitsätze nicht, sie sind nur hilfreich, wenn es in einem längeren Gespräch darum geht, zu kennzeichnen, wer gerade spricht. Eine Alternative zu Begleitsätzen ist, Dialoge immer mal wieder durch erzählende Absätze zu unterbrechen.

Lässt man die Begleitsätze ganz weg, dann hat der Leser den Eindruck, das Gespräch sei hitzig oder aufgeregt und laufe sehr schnell ab. Je mehr erzählende Einschübe es gibt, umso langsamer wird das Tempo. Einschübe haben noch eine weitere wichtige Funktion: Sie helfen dem Leser dabei, die Dialogsituation der Sprechenden für den Leser präsent zu halten.

Bei allen Dialogen gilt: Stellen Sie sich die Dialogsituation so deutlich vor, wie es nur geht, spielen Sie den Dialog sogar wie im Theater mehrere Male durch und schauen Sie sich im Fernsehen wirklich gelungene Dialoge an. Achtung aber: Im Film haben wir Mimik, Gestik, die ganze schauspielerische Leistung der Darsteller plus die sichtbare Situation. In einem Buch fehlt das – und muss deshalb durch gut strukturierten Dialog ersetzt werden.

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