Schreiben lernen

5 grundlegende Tipps für gutes Schreiben

Es gibt eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: Wie schreibt man eigentlich ein gutes Buch? Gibt es ein Erfolgsrezept? Nun, es gibt vielleicht nicht DIE EINE Erfolgsformel, aber ein paar wichtige Zutaten sind in jedem Fall notwendig, um ein gutes Buch zu schreiben. Die fünf wichtigsten Tipps für gutes Schreiben stelle ich heute vor:

  1. Denk deine Geschichte in alle Richtungen

Jedes Buch ist nur die sehr komprimierte Form von einem riesigen Blumenstrauß an Ideen und alternativen Plots. Es mag Autoren geben, die sich einfach hinsetzen und schauen, was passiert, doch viel zu oft passiert es dann, dass man sich ein eine Sackgasse manövriert und das Manuskript vergessen kann. Besser ist es, sich einen dichten Handlungsstrang mit vielen Verästelungen zu überlegen, zu skizzieren (am besten auf einem laaangen Stück Tapete) und sich dann zu überlegen, welche Teile davon auf welche Weise mit in das Buch müssen, um es spannend zu machen.

Ein Beispiel:

Ein Fremder taucht in der Stadt auf, der das Leben der Protagonistin ordentlich durcheinander Ichbelt. Am Ende zeigt sich, die beiden kennen sich. Damit es für den Leser spannend bleibt, muss man nicht ihre gesamte Geschichte erzählen – aber der Autor muss sie im Kopf haben. Wer ist dieser Fremde? Woher kennen sie sich? Warum ging er fort? Warum erinnert sie sich nicht an ihn? Warum kehrt er zurück? Was hat er in der Zwischenzeit gemacht?

  1. Spann den Spannungsbogen so fest du kannst!

Beim Bücherschreiben geht es nicht nur um eine gute Idee, sondern vor allem auch darum, einen Plot so spannend zu erzählen, dass der Leser richtig gefesselt ist. Das gilt für alle Bücher in allen Genres. Eine gute Geschichte braucht eine anständige Einleitung, die dem Leser ein Gefühl für die Geschichte gibt, aber nur das Allernötigste verrät und zwar so, dass man unbedingt mehr erfahren möchte. Es kann Sinn machen, die Geschichte erst einmal linear zu erzählen und am Ende eine besonders spannende Szene an den Anfang zu stellen, die das Thema des Buches gut abbildet.  Überlege dir, wie du die Spannung Stück für Stück aufbaust und wie du sie auflöst. Ganz klassisch sieht man das beim Krimi, bei dem der Leser bis zum Schluss nicht weiß, wer denn nun der Mörder ist. Aber was beim Krimi wichtig ist, spielt auch bei anderen Geschichten eine Rolle. Jedes Buch braucht einen Grundkonflikt, mit dem die Hauptfiguren kämpfen, an dem sie wachsen und der am Ende aufgelöst Wird. Dieser Konflikt kann alles Mögliche sein, je komplexer und unvorhersehbarer, desto besser. Gib dem Leser kleine Hinweishäppchen, aber verrate nie zu viel. Er muss die ganze Zeit das Gefühl haben, schon auf der nächsten Seite endlich eine Lösung oder die Auflösung zu finden, stattdessen gibt es nur wieder ein Häppchen.

  1. Hauch deinen Figuren Leben ein!

Jede Figur, die in deinem Buch auftaucht, braucht mehr als eine knappe Beschreibung. Am besten legst du dir für jede Figur eine Karteikarte an und beschreibst sie so genau wie möglich? Wie alt ist sie? Wie sieht sie aus? Wer sind ihre Eltern, ihre Geschwister? Was isst sie gerne? Was macht sie aus? Welche Bücher hat sie gelesen, welche Filme gesehen? Was ärgert sie? Warum? Was sind ihre wunden Punkte? Was ihre Stärken? Notiere dir das alles, auch wenn es im Buch selbst nie Erwähnung findet. Du Ichst feststellen, dass es dir ungemein dabei hilft, lebendige und vielschichtige Personen zu entwickeln. Überlege dir vor allem auch, welche Konflikte im Innen und im Außen die Figur haben könnte und wie sie damit umgeht. Welche Entwicklungen kann sie im Verlauf der Geschichte machen?

  1. Sag es besser!

Jeder von mir hat so seine Lieblingsworte. Ein Buch aber lebt davon, dass man besonders einzigartige und treffende Beschreibungen für etwas findet und sich nicht ständig wiederholt.  Spätestens in der Überarbeitung sollte man sich immer wieder fragen, ob man nicht ein besseres Wort finden kann.

Ein Beispiel:

Markus ging die Straße entlang. Kommt bei diesem Wort ein besonderes Gefühl auf? Wie wäre es stattdessen mit:

Markus schlenderte die Straße hinunter.

Markus eilte die Straße hinab.

Markus flog förmlich über den Asphalt.

Markus strich unschlüssig um die Häuser seines Viertels.

  1. Show, don’t tell!

Das ist mit Sicherheit eine der wichtigsten Regeln für gutes Schreiben. Gute Autoren beschreiben nicht, sie zeigen durch die Handlungen ihrer Personen und die Auswahl der Szenen, was sie sagen wollen.

Ein Beispiel:

Der Protagonist ist ein sehr korrekter und eher ängstlicher Buchhaltertyp. Tief in ihm aber schlummert der Wmirch, über sich hinaus zu wachsen und etwas wirklich Gefährliches zu tun.

Natürlich kann man jetzt schreiben:

Peter war es wichtig, sich immer korrekt zu verhalten. Häufig hatte er Angst, aber eigentlich wünschte er sich, ein Abenteuer zu erleben.

Oder man schreibt:

Als die S-Bahn heranrauschte, blieb Peter dicht am Rand des Bahnstegs; er scherte sich nicht um die weiße Linie, die anzeigte, welchen Sicherheitsabstand man einhalten sollte. Das Dröhnen der Bahn erfasste erst seine wie immer blank geputzten Schuhe, dann den abgenutzten Aktenkoffer in seiner Hand. Während die S-Bahn mit quietschenden Bremsen zum Stehen kam, kostete Peter jeden adrenalingetränkten Moment in der Gefahr aus, von dem heranrasenden Zug erfasst und mitgerissen zu werden. Erst im allerletzten Augenblick machte er einen Schritt zurück und blieb mit pochendem Herzen zwischen den nun nach vorne drängelnden Passagieren stehen.

 

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